Fr, 31. Juli 2026

Erfahrungen, ob hohe oder tiefe, heilige oder profane, frohe oder
alptraumhafte, kommen und gehen einfach wie endlose Wellen des Ozeans.
Wenn man in der Seele ruht, alles Geschehen nur aus der Ferne wahrnimmt
ohne zu interpretieren, ist Stille. Dann zieht es einen nicht mehr zu den
Wonnen und den Qualen der Darbietungen der Erfahrung hin. Diese
Erscheinungen ziehen an der Oberfläche des Bewusstseins einfach wieder ab.
Identifiziertes Zuschauen lassen diese wirklich erscheinen. Nicht
identifiziertes Zuschauen bewahrt den Raum zur Seele hin.

Do, 30. Juli 2026

Wie Wolken am Himmel, ziehen Gedanke, Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen
in diesem weiten inneren Raum vorbei, ohne effektiv Spuren zu hinterlassen.
Sie alle tauchen auf und vergehen dann irgendwann wieder. Aber dieser Raum,
aus welchem die klare Beobachtung der phänomenalen Welt geschieht, kommt
und geht nie und bewegt sich in keiner Weise.

Mi, 29. Juli 2026

Die Dinge, die man sieht, sind lustvoll oder enttäuschend, fröhlich oder
traurig, ängstlich, gesund oder krank, banal oder absorbierend, aufregend
oder langweilig. Aber der, welcher diese Zustände und Empfindungen erlebt,
ist nie ängstlich, freudvoll und deprimiert. Er bleibt einfach frei von
allen zeitweiligen Phänomenen, unberührt von Geburt und Tod.

Di, 28. Juli 2026

Eine Reflektion zu Bhagavad Gita 18.54
Du nimmst Farben wahr, bist aber farblos. Du gewahrst Zeit, bist aber
zeitlos. Du gewahrst Form, bist aber formlos. In der unendlichen Weite
zerfällt alle Erfahrung in die Unbedeutsamkeit.
Dann beginnt Transzendenz durchzuleuchten: die ewig freudvolle Gestalt der
ewigen Seele.

Mo, 27. Juli 2026

Das Konzept von Beziehung
Ich suche etwas in dir und ich habe etwas, wovon du denkst, du könntest es
von mir erhalten.
In diesem Kontext versteht das Ich auch Liebe und Nähe.
Dann wundert man sich, dass einen fast niemand wirklich versteht. Die
Hoffnung danach aber bleibt in einem gespeichert und erzeugt diesen Endlos-
Schlaufe von Versuchen, sich an Menschen festzuhalten.
Man will Liebe und Aufmerksamkeit von der Welt her konsumieren, weil man in
sich ein Mangel danach empfindet. Erst die Schau, als Seele ein ganzes
Wesen zu sein, ermöglicht einen, unbedürftig auf ein Du hinzutreten.
Diese in der Welt erlernte Entzweckung stellt die Grundlage für einen
Gotteszugang in der Meditation dar.

So, 26. Juli 2026

„Es sind nicht deine Tugenden, die ich wünsche. Wenn ich dir solche geben
sollte – du bist so schwach, dass diese nur deine Eigenliebe nähren würden.
Doch kümmere dich nicht darum. Ich hätte dich zu grossen Dingen bestimmen
können – aber du wirst der unbedeutende unnütze Knecht bleiben, und ich
werde dir sogar noch das Wenige, das du hast, wegnehmen, weil ich dich nur
für die Liebe geschaffen habe.“

Sa, 25. Juli 2026

Gauranga, der höchste Herr, spricht mich an:
„Aus jedem Sandkorn kann ich ein Universum schöpfen, aus jedem Staubkorn
ein leuchtendes Lichtwesen, strahlend vor Reinheit, Edelmut und Liebe. Ich
habe unzählige Mahapurushas (befreite Seelen) in meinem Dham (in der ewigen
spirituellen Welt). Aber dennoch kann ich dich nie vergessen und komme zu
dir und klopfe an der Türe deiner armseligen Liebe.“

Mi, 22. Juli 2026

Es gibt das langsame Dahinserbeln des Körpers, in welchem man sich an den
bisherigen Wertesystemen seines Lebens festzuhalten versucht. Man erkennt,
wie alles Kämpfen vergeblich wird und scheitert kläglich.
Das andere ist das bewusste Sterben. Das ist eine Kunst, die „ars
moriendi“, die Kunst des Sterbens, deren Meisterschaft man nicht erwarten
kann von Menschen, die sie während des Lebens nie gelernt hatten. Es ist
eine freudvolle Entkrampfung.